Spenden im Islam
Spenden (Sadaqa oder Infaq)
dient der Erziehung und Läuterung der Seele, sowie dazu, Allahs Gunst
und Zufriedenheit zu erlangen. Durch die Reinigung der Seele ist der
Gläubige in der Lage, die Dinge um sich herum klarer zu sehen und somit
auch besser zu bewerten. Sich ohne jeglichen annehmbaren Grund vom
Spenden zurückzuhalten, bedeutet dagegen Schmutz und Krankheit für die
eigene Seele und trübt die geistige Sicht.
Dinge wie Vermögen, Zeit, Talente, Wissen und Leben,
die dem Muslim von Allah in Seiner Güte gegeben wurden, soll er der
Schöpfung um Allahs Willen wieder zur Verfügung stellen. Und er tut
dies nur, um damit Allahs Gunst und Zufriedenheit zu erreichen: „Wahrlich,
die spendenden Männer und die spendenden Frauen und jene, die Allah ein
gutes Darlehen geben – es wird ihnen um ein Vielfaches gemehrt, und für
sie gibt es edelmütige Belohnung“ (57:18).
Infaq (Hergeben für Allah) ist eine ’Ibada (Gottesdienst), die ausschließlich für Allah unternommen wird. Es ist somit wie die Sadaqa
(freiwilliges Spenden) ein Beleg für die Treue und Aufrichtigkeit des
Menschen gegenüber seinem Schöpfer. Durch aufrichtiges Infaq und Sadaqa
kann der Muslim die Gunst des Mächtigen und Erhabenen erlangen und sich
vor Seiner Strafe schützen. Der Prophet Muhammad (s*) riet an: „Hütet
euch vor dem Höllenfeuer, auch dann, wenn es mit einer halben Dattel
wäre, und wenn dies auch nicht möglich ist, dann mindestens mit einem
guten Wort!“ (Buchari, Muslim).
Im Islam herrscht die Vorstellung, dass alles, was jemand besitzt, nicht ihm selbst gehört, sondern von Allah als Amana
(anvertrautes Gut) für eine bestimmte Zeitspanne zur Verfügung gestellt
wurde. Alles, was jemand besitzt, dient als Mittel zur Prüfung. Nachdem
die eigenen Grundbedürfnisse und die der Familie mit dem zur Verfügung
stehenden Besitz befriedigt wurden, wird man am Jüngsten Tag befragt
werden, wie und wofür man den Überschuss ausgegeben hat. Und nur
diejenigen werden eine zufriedenstellende Antwort liefern können, die
ihn in dem Sinne ausgegeben haben, wie Allah es verlangt hat.
Manche Muslime entrichten ihre Zakat und ihre Sadaqatu l-Fitr
(festgesetzte Abgabe am Ende des Fastenmonats Ramadan) und verfügen
dann über den Rest ihres Vermögens wie es ihnen beliebt. Der Koran
jedoch ermahnt diejenigen immer wieder, die der Aufforderung zum
Spenden nicht nachkommen. Auf der anderen Seite wird denjenigen großer
Lohn verheißen, die aufrichtig sind beim Spenden und den Bedürftigen
von ihrer eigenen Versorgung etwas zuteil werden lassen.
Allah verlangt nicht nur, dass wir Sadaqa geben,
sondern Er will, dass wir vom Reinen und Guten spenden, dass wir von
dem hergeben, was uns lieb und teuer ist. Allah sagt im Koran:
„Sicher erlangt ihr keine Frömmigkeit, ehe ihr nicht von dem hergebt,
was ihr liebt; und was immer ihr hergebt, so weiß Allah davon“ (3:92).
- Spenden nach persönlichem Vermögen
Der Gläubige soll je nach persönlichem Vermögen
spenden und nicht die Armut fürchten. Der Prophet (s) sagte nämlich:
„Sadaqa hat noch keinen Besitz geschmälert ...“ (Muslim). Der Koran
weist ebenso auf diesen Punkt hin, indem er bemerkt:
„...so soll er ausgeben von dem, was ihm Allah gegeben hat, Allah mutet
keiner Seele zu, außer was Er ihr gegeben hat. Allah wird nach der
Schwierigkeit Erleichterung geben“ (65:7).
Einige Punkte, die beim Geben der Sadaqa beachtet werden sollten
-
Spende nur um Allahs Willen und um Seine Zufriedenheit zu erlangen. Erwarte dafür keinerlei Gegenleistung von den Menschen.
-
Vermeide Augendienerei bzw. das Geben, um von den Leuten gesehen zu werden.
-
Beeile dich mit der Sadaqa, sodass der Bedürftige sie gleich erhalten kann, wenn er sie benötigt.
-
Gib Sadaqa, wenn du gesund bist, und warte nicht damit, bis dich selbst Not trifft.
-
Gib von den Dingen als Spende, die dir lieb und teuer sind.
-
Spende so viel, wie du zu spenden vermagst und möglichst nicht weniger.
-
Gib Sadaqa mit der rechten Hand und im Namen Allahs. Sag „Bismillah“.
-
Spende möglichst im Verborgenen und regelmäßig.
-
Wenn du dich für das Spenden entschieden hast, so lass nicht davon ab.
-
Gib nicht all deinen Besitz weg, so dass du anschließend selbst bedürftig wirst, denn Allah sagt: „Und
die Knechte des Allerbarmers sind ... diejenigen, welche, wenn sie
ausgeben, nicht verschwenden und nicht knickrig sind, - und dazwischen
gibt es einen rechten Zustand“ (25:63; 67).
-
Nicht die Höhe einer Spende ist entscheidend: Einige
Euro von einem weniger Bemittelten können bei Allah verdienstvoller
sein als der gleiche Betrag von einem Wohlhabenden.
- Und vergiss nicht: Auch ein Lächeln und Freundlichkeit können Sadaqa sein.
- Zwei Hindernisse auf dem Weg zum Spenden
-
Verschwendung (Israf)
Israf
wird folgendermaßen definiert: Das Ausgeben von Vermögen und Gütern,
ohne dass jemand davon irgendeinen Nutzen hat. Verschwenderisch ist
jemand, der das Gefühl für das rechte Maß verloren hat, weil er ohne zu
rechnen und zu überlegen etwas vergeudet: „O
Kinder Adams, habt eine gepflegte Erscheinung an jeder Gebetsstätte,
und esst und trinkt, doch seid nicht maßlos; wahrlich, Er liebt ja
nicht die Maßlosen“ (7:31). Durch derartiges Verhalten wird der Mensch zum Gefährten vom Schaitan: „Denn die Verschwender sind Brüder des Teufels, und der Teufel war undankbar gegen seinen Herrn“ (17:27).
Der
Prophet Muhammad (s) wies uns darauf hin, dass wir nichts ausgeben oder
verbrauchen sollen außer dem, was notwendig ist. Er veranschaulichte
dies an einem Beispiel, als er sagte, dass, selbst wenn wir an einem
Fluss oder See die Gebetswaschung vollzögen, wir nicht mehr Wasser
verbrauchen sollen als dafür unbedingt notwendig ist. Der Islam zielt
also ganz allgemein darauf ab, Verschwendung zu verhindern und
jegliches Ausgeben und Konsum unter Kontrolle zu halten.
Neben Geld können natürlich auch andere Dinge vergeudet werden, beispielsweise Zeit, Talente oder auch Gelegenheiten.
Israf ist vor allem dann sehr schlimm, wenn die zur Verfügung stehenden Ressourcen für Dinge eingesetzt werden, die haram
(verboten) sind. Der Muslim soll aber auch Ausgaben für all die Dinge
in Grenzen halten, die alleine dem Vergnügen und Spaß dienen.
- Geiz (Buchl) und Geldgier
So wie der
Islam Verschwendung zu verhindern sucht, möchte er auch das andere
Extrem im Menschen beseitigen, nämlich Geiz und Geldgier. Allah weist
uns eindringlich darauf hin und bringt uns so ins Bewusstsein, dass es
abermals der Schaitan ist, der den Menschen auch in diesem Punkt
täuschen und irreleiten will: „Der Satan droht
euch die Bedürftigkeit an und trägt euch das Abscheuliche auf, Allah
aber verheißt euch Seine Vergebung und Gunst. Und Allah ist
allumfassend und allwissend“ (2:268).
Der Islam erteilt der Illusion ,Je mehr Geld und Vermögen, desto besser’ eine eindeutige Absage: „Und
keinesfalls sollen diejenigen, die geizig sind, damit rechnen, was
Allah ihnen von seiner Gunst gegeben hat, sei gut für sie, vielmehr ist
es schlecht für sie. Es wird ihnen um den Hals gehängt, womit sie
geizig waren, am Tag der Auferstehung, und Allahs ist das Erbe der
Himmel und der Erde, und Allah ist dessen kundig, was ihr tut“ (3:180).
Nur
wenn der Muslim in der Lage ist, die Dinge, die ihm zur Verfügung
stehen, auf dem Wege und im Sinne Allahs einzusetzen, wird es gut für
ihn sein und ihm im Jenseits nützen. Das Zurückhalten und Anhäufen von
materiellen Dingen als Selbstzweck ist nicht erstrebenswert.
„Sprich:
,Wenn ihr Macht hättet über die Schätze der Barmherzigkeit meines
Herrn, da würdet ihr sie bestimmt festhalten aus Furcht vor dem
Ausgeben; und der Mensch ist geizig’“ (17:100).
Dagegen
wird ein Gläubiger durch Spenden, Teilen und Freigiebigkeit besonders
ausgezeichnet. Allahs Gesandter (s) hat gesagt: „Der Freigiebige ist
Allah nahe, dem Paradies nahe, den Menschen nahe und fern dem Feuer;
der Geizige ist Allah fern, fern dem Paradies, fern den Menschen und
nahe dem Feuer. Der freigiebige Unwissende ist Allah lieber als der
betende Geizige“ (Tirmidhi).
Der Islam rät den Gläubigen ein
schlichtes Leben an. Der Mensch soll nicht zum Knecht des Geldes und
Besitzes werden. So warnt Allahs Gesandter (s): „Verflucht ist der
Diener des Dinar, und verflucht ist der Diener des Dirham“ (Tirmidhi).
- Belohnung für das Spenden
„... und was ihr ausgebt von
einer Sache auf dem Weg Allahs, es wird euch voll zurückgezahlt werden,
und euch wird kein Unrecht angetan“ (8:60).
Wie im obigen Koranvers erwähnt, wird Sadaqa vielfach
von Allah belohnt werden. Allah gibt dem Gläubigen für die Spende, die
er in der Absicht gibt, Ihm zu dienen und Sein Wohlgefallen zu
erlangen, vielfachen Lohn, und zwar im Jenseits wie auch im Diesseits.
-
Nutzen des Spendens im diesseitigen Leben:
-
Sadaqa reinigt das Vermögen, den Besitz und das Geld.
-
Es hilft gegen Stolz, Überheblichkeit und Prahlerei und somit gegen das Sündigen.
-
Spenden wehrt Schaden und Krankheit ab. Allahs
Gesandter (s) hat gesagt: „... heilt eure Kranken mit (Hilfe von)
Almosen, ...“ (Abu Dawud).
-
Die Spende erfreut die Bedürftigen und lindert ihre Not.
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Spenden vermehrt die Versorgung des Spenders und bringt dem Besitz Baraka (Segen)
Weit wichtiger aber ist der
Nutzen des Spendens für das Jenseits, da der Gläubige dort große Freude
über jede noch so kleine Spende verspüren wird, die er im Diesseits gab
und die ihm nun zugute kommt:
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Spenden bewahrt vor den Schrecken des Jüngsten Tages.
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Es schützt vor dem Höllenfeuer, öffnet die Tore des Paradieses und erhöht den eigenen Rang im Paradies.
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Sadaqa mehrt die Belohnung im Paradies.
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Es erleichtert den Übergang über den Sirat, jener Brücke über einem Abgrund der Hölle, die die Menschen am Jüngsten Tag überqueren müssen.
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Es verringert die schwere Last der Rechenschaft vor dem Schöpfer
Der Muslim empfindet Freude, wenn er das Vermögen,
das Allah ihm zur Verfügung gestellt hat, mit anderen Menschen teilen
und damit die Not seiner Mitmenschen lindern kann. Durch das Spenden
erfüllt sich seine Seele mit Gottesruhe und Frieden, weil er weiß, dass
diese Tat seinen Schöpfer zufrieden stellt.
Wir, die wir in den westlichen Industrieländern
leben, haben eine staatlich abgesicherte Existenzgrundlage, so dass
keiner von uns einen Mangel an Nahrung und Wasser, Kleidung oder
medizinischer Versorgung erleiden muss. Wir alle sollten also in der
Lage sein, etwas an Materiellem zu spenden.
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