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Mit Kopftuch ans Krankenbett

Würde Letvane Berisha kein Kopftuch tragen, wäre der Muslima im Leben manches leichter gefallen. Im August tritt die junge Ärztin eine neue Stelle am Kantonsspital St. Gallen an.3

Ein paar bodenständige und konservative Rheintalerinnen und Rheintaler mussten zuerst einmal leer schlucken und gaben ihrem Erstaunen mit grossen Augen Ausdruck, als eine Ärztin mit Kopftuch an ihr Bett trat. «Zu Reklamationen und Beschwerden ist es in den zwei Jahren nie gekommen», sagt Chefarzt Paul Josef Hangartner vom Spital Altstätten. 2009 hat die aus Kosovo stammende Letvane Berisha im Rheintal ihre erste Stelle als Assistenzärztin angetreten. Zuvor hatte sie erfolglos mehr als ein Dutzend Bewerbungen an Spitäler in der ganzen Deutschschweiz geschickt. Kein Spital wollte eine Ärztin einstellen, die auf dem Bewerbungsfoto ein Kopftuch trägt und darauf pocht, bei der täglichen Arbeit das umstrittene Stoffstück tragen zu dürfen.

Der Spital Altstätten ging schliesslich das «Wagnis» ein. «Wir hatten uns im Team diese Anstellung gut überlegt», erinnert sich Chefarzt Hangartner. Unter den Ärzten und dem Pflegepersonal war man sich schnell einig, dieser selbstbewussten Frau eine Chance zu geben. Aber wie würden in diesem konservativen Tal die Patienten reagieren?

Gläubige Muslima

Die Skepsis ist schnell der Akzeptanz gewichen. Die Patienten hätten auf die moslemische Ärztin erstaunlich gelassen reagiert, sagt Hangartner. Eine einzige negative, anonyme Reaktion habe er erhalten. Ein grosser Vorteil sei gewesen, dass Frau Berisha Schweizerdeutsch gesprochen habe. Auch die Ärztin selbst erlebte nur positive Reaktionen: «Nach zwei Wochen war mein Kopftuch am Spital kein Thema mehr.»

Letvane Berisha ist 1993, kurz vor der Eskalation der jugoslawischen Kriegswirren, im Alter von zwölf Jahren mit Mutter und Geschwistern zu ihrem Vater nach Gossau gekommen. Dort besuchte sie die katholische Mädchensekundarschule, später die Kantonsschule in St. Gallen. In dieser Zeit hatte sie noch nicht den Mut, das Kopftuch zu tragen. «Aber im Alter von 20 Jahren war ich sicher, dass das Kopftuch zu mir als gläubige Muslima gehört. Ich trage es aus Überzeugung.» Seither geht sie nie mehr ohne das Stück Stoff auf dem Kopf in die Öffentlichkeit. Letvane Berisha entstammt keiner strenggläubigen Moslemfamilie. Die studierte Tochter praktiziert ihren Glauben aus freien Stücken. Fünfmal täglich führt sie die islamischen Ritualgebete durch, hält sich an die Regeln des Ramadans, und lebt so, wie es viele gläubige Muslimas tun. Ist Gebetszeit angesagt, zieht sie sich im Spital mit dem Teppich in ein stilles Zimmer zurück und betet zu Allah. «Wer während der Arbeit fünf Minuten betet, verlässt nicht gleich den Berufsalltag», sagt sie. Selbst die strenge Fastenzeit – 2011 beginnt für die Moslems am 1. August mitten im Hochsommer – konnte sie ohne Probleme einhalten. «Frau Berisha hat ihre ärztlichen Aufgaben wegen ihres Glaubens nie vernachlässigt», bestätigt Chefarzt Paul Josef Hangartner.

Gegenseitige Toleranz

Letvane Berisha will Fachärztin für Innere Medizin werden. Im August tritt sie am Kantonsspital in St. Gallen eine neue Stelle an. Dort gab es früher eine Regelung, die Ärzten und Pflegepersonal das Kopftuchtragen untersagte. Beim Bewerbungsgespräch erfuhr die moslemische Ärztin, dass die KSSG-Leitung mehr als ein Jahr über das heikle Thema diskutiert hat. Heute ist das Kopftuch am Kantonsspital kein Hindernis mehr für eine Anstellung.

Paul Josef Hangartner ist überzeugt, dass das moslemische Kopftuch in der Gesellschaft bald einmal kein Thema mehr sein wird. «Es gibt in der Schweiz immer mehr moslemische Frauen, die gut ausgebildet sind und im Beruf ein Kopftuch tragen möchten.» Gegen diese Frauen allein wegen eines Kopftuches ein Berufsverbot zu erlassen sei höchst problematisch. Heute ist der Chefarzt froh, dass er mit seinem Team und der moslemischen Ärztin «das Wagnis» eingegangen ist. «Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht.» Nicht nur das: In den letzten zwei Jahren hat das Spitalpersonal in Altstätten manch Interessantes über den Islam erfahren. «Kulturell und kulinarisch», fügt Hangartner an.

Tagblatt Online, 07. Juli 2011 01:03:52

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Der deutsche Islamunterricht kommt zuerst nach NRW

Der deutsche Islamunterricht kommt zuerst nach NRW

Als erstes Bundesland hat sich Nordrhein-Westfalen mit Muslimverbänden auf einen Religionsunterricht für muslimische Schüler geeinigSeit über einem Jahrzehnt ringen Politiker in den Bundesländern darum, Islamunterricht als ordentliches Unterrichtsfach einzuführen. Dieses Ziel wurde sogar zum integrationspolitischen Signal erster Güte erkoren – und zwar über alle Parteigrenzen hinweg. Doch immer wieder erwies sich dieser Versuch als integrationspolitische Nuss, an der sich noch alle Landesregierungen die Zähne ausbissen. Und zwar ebenfalls über alle Parteigrenzen hinweg. Nun aber scheint in Nordrhein-Westfalen der Durchbruch gelungen zu sein.

Foto: picture-alliance / dpa/dpa Islamischer Unterricht an Kölner Schule. Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, in dem der Islam in der Schule nicht nur neutral gelehrt werden soll, sondern auch in den Glauben eingeführt werden soll

Umfrage


Sollte an allen deutschen Schulen Islamunterricht angeboten werden?

Ergebnis Antwort 1: 11%
Ja, das wäre sinnvoll
Antwort 2: 9%
Nur dort, wo es viele muslimische Kinder gibt
Antwort 3: 80%
Nein, das wäre falsch

408 abgegebene Stimmen

Umfrage

Curriculum wird von Experten, unabhängigen und Verbänden ausgearbeitet

In NRW werden die Verbände künftig gemeinsam mit Experten und unabhängigen Muslimen, die das Schulministerium ernennt, in einem Beirat sitzen und das Curriculum erarbeiten. Und diese Lösung dürfte bundesweit wegweisend werden, weil die Verbände in NRW nun einen neuen Kurs für das gesamte Bundesgebiet bekannt gemacht haben.

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Bis dato waren alle ähnlichen Versuche daran gescheitert, dass die Verbände erst als Religionsgemeinschaft anerkannt werden wollten, die allein und ohne staatliche Einflussnahme den Lehrplan für den Islamunterricht entwirft. Dazu war jedoch keine Landesregierung bereit – weil die Muslimverbände noch nicht alle Voraussetzungen für solch eine Anerkennung erfüllten (zu denen gehören Rechtstreue, Mitgliederstärke und die dauerhafte Existenz eines Verbands). Vor allem zwei Missstände behagten auf Landesseite kaum jemandem: Zum Islamrat und zum Zentralrat der Muslime gehören Gruppen, die der Verfassungsschutz beobachtet. Und der größte Verband, die Ditib, wird vom türkischen Staat dominiert.

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Dagegen argumentierten die Verbände bislang stets, sogar laut Bundesinnenministerium fühlten sich rund 60 Prozent der hiesigen Muslime zumindest teilweise von den Verbänden vertreten. Deshalb müssten sie als rechtmäßige Vertreter des deutschen Islams endlich anerkannt werden.

 

Muslimische Verbände erstmals kompromissbereit

Nun aber lenkten die Verbände erstmalig in einem Bundesland ein. Sie verzichten auf die vorherige Anerkennung als Religionsgemeinschaft und geben sich damit zufrieden, gemeinsam mit anderen Experten und verbandsfremden Muslimen den Lehrplan zu gestalten. Zu diesen unabhängigen Experten könnten dem Vernehmen nach auch ausgewiesene Reformmuslime und Pädagogen wie Lamya Kaddor vom Liberal-Islamischen Bund gehören.

Allerdings legten die Verbandsvertreter Wert auf die Feststellung von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), dass es sich bei der Beiratslösung um „eine zu befristende Übergangslösung“ handelt, „bis auf Seiten der Muslime die Anforderungen an eine Religionsgemeinschaft erfüllt sind“. Dieser Passus ist für die Verbände enorm bedeutsam, weil sie seit Jahren versuchen, über die Curriculumsfrage den Rechtsstatus einer anerkannten Religionsgemeinschaft zu erlangen.

Würde ihnen dieser verliehen, könnte man ihnen langfristig auch kaum mehr den Genuss der sogenannten Körperschaftsprivilegien vorenthalten. Diese Privilegien besitzen zahlreiche christliche und jüdische Gemeinschaften bereits. Wer diesen Status innehat, wird vom Staat unterstützt beim Aufbau eines Seelsorgeangebots in Krankenhäusern, Gefängnissen oder bei der Bundeswehr, der kann leichter Bildungseinrichtungen oder Gotteshäuser in guter Lage errichten. Und obendrein genießt er finanzielle Vergünstigungen sowie Mitsprache in Rundfunkräten. Auf diese Privilegien müssen die Verbände nun zwar vorerst verzichten. Aus der Landesregierung ist aber zu hören, dass genau diese Kompromissbereitschaft der Verbände ihr Ansehen und damit ihre Glaubwürdigkeit als Partner der Politik massiv verbessern könnte.

 

www.welt.de

 
Darf eine Kopftuchträgerin beim Radio arbeiten?
Eine Kopftuchträgerin bewirbt sich beim Westschweizer Radio. Die SRG zögert, die Muslima anzustellen, während Linke und Rechte mit frischen Argumenten überraschen. von Lorenz Honegger


«Die junge Frau ist eine journalistische Nachwuchshoffnung», sagt Werner De Schepper, Dozent an der Universität Neuenburg und Mitglied der az-Chefredaktion. Die Westschweizerin, von der De Schepper in den höchsten Tönen spricht, bringt einen Master-Abschluss in Journalismus mit. Auf der Redaktion des Westschweizer Radios (RSR) hat sie sich nach einem zweimonatigen Praktikum bestens eingelebt.

SRG will Richtlinien ausarbeiten

Im Dezember bewarb sie sich für eine Festanstellung, doch die RSR-Verantwortlichen zögern mit einer Zusage. Nicht wegen der Qualifikationen der schweizerisch-ägyptischen Doppelbürgerin, sondern wegen ihres Kopftuchs. Bis Ende Monat will die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) laut «24 Heures» nationale Richtlinien für religiöse Symbole ausarbeiten. Die Grundsatzfrage lautet: Wie viel Religionsfreiheit erträgt der Staatsbetrieb SRG?

Wer beim SVP-Nationalrat und Lastwagenunternehmer Ulrich Giezendanner nachfragt, erwartet eine klare Absage an die Kopftuchträgerin. Doch Giezendanner überrascht mit Pragmatismus:

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TAG DER OFFENEN MOSCHEE
Tag der offenen Moschee 2010 in den Kantonen Aargau und Zürich


Auch dieses Jahr werden wieder viele Moscheen in der Schweiz ihre Türen öffnen.

Was?
Tag der offenen Moschee 2010 in den Kantonen Aargau und Zürich

«Warum brauchen Muslime Moscheen?», «Was tun die Muslime dort?», «Haben Frauen überhaupt Zutritt?»

Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger mögen sich diese und andere Fragen schon gestellt haben. Als Antwort darauf öffnet der Verband Aargauer Muslime (VAM) wieder die Türen der Moscheen seiner Mitgliedsvereine. Der grossartige Erfolg in den vergangenen Jahren trug dazu bei, dass sich der VAM wieder zu diesem Schritt entschlossen hat.

Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Jahren findet dieser Anlass dieses Mal nicht nur im Kanton Aargau statt. Aus Anlass der von der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft Schweiz IRAS-COTIS veranstalteten «Woche der Religionen» nehmen auch die Kantone Zürich, Bern, Basel und Fribourg teil.

Mitbürgerinnen und Mitbürgern soll an diesem Tag die Gelegenheit gegeben werden, sich aus erster Hand über den Islam und die in der Schweiz lebenden Musliminnen und Muslime zu informieren. Wir hoffen, dadurch einen aktiven Beitrag zum Abbau von Vorurteilen leisten zu können.

Weitere Infos:
- Aargau: Siehe Flyer Aargau
- Zürich: Siehe Flyer Zürich

Wann?
Samstag, 6. November 2010, 14.00 - 18.00 Uhr

Wo?
Siehe Flyer auf   www.islam.ch